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Musik an der Martin Luther Kirche - Dresdner Bachchor - “Die Himmel erzählen die Ehre Gottes”

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Katharina Ribbe

“Die Himmel erzählen die Ehre Gottes”

Der Dresdner Bachchor und der Madrigalchor "Alu-Singen" Singen/Hohentwiel singen Haydns “Schöpfung”

Nachdem Karfreitag mit der Markus-Passion von Reinhard Keiser ein eher unbekanntes Werk auf dem Programm stand, führt der Dresdner Bachchor in seinem Sommerkonzert 2012 eines der populärsten Werke der Oratorienliteratur auf: Haydns “Schöpfung”. Wir freuen uns dabei über stimmkräftige Unterstützung des Madrigalchors "Alu-Singen" aus Singen/Hohentwiel, mit dem die Kooperation über ein von dort nach hier umgezogenes Chormitglied zustande kam.

Joseph Haydns monumentales Alterswerk (Uraufführung 1798) benötigt einen großen Chor. Es wurde nach zwei Aufenthalten Haydns in England komponiert, auf denen er die dortige, von George Friedrich Händel begründete, Oratorientradition kennen gelernt hatte. Es wird sogar vermutet, dass das der Schöpfung zugrunde liegende Libretto ursprünglich für Händel gedacht war. Der Libretto-Dichter ist nicht gesichert bekannt. Vermutet wird, dass ein Herr Lidley (oder Linley) den Text beruhend auf dem Buch Genesis, den Psalmen und John Milton's Paradise Lost gedichtet hat. Da sich Haydn im Englischen nicht sicher genug fühlte, übersetzte sein (und im übrigen auch Mozarts und Beethovens) Gönner und Mäzen Baron Gottfried van Swieten den Text ins Deutsche. Nachdem Haydn diesen vertont hatte, wurde er dann für Aufführungen in England wieder zurück übersetzt.

Die Uraufführung und ihre zwei Wiederholungen im privaten Rahmen beim Baron von Schwarzenberg sowie die erste öffentliche Aufführung ein Jahr später (1799) waren große Erfolge, die Kraft der Darstellung wurde hoch gerühmt. Auf uns als heutigen Hörer mutet dies aufgrund der sehr eingängigen, gefälligen Musik vielleicht etwas überraschend an. Was also brachte Haydn aus England mit?

Händel, der als junger Mann in Italien die Formensprache der opera seria studiert hatte, diese Gattung aber am protestantischen englischen Hof verlassen musste, fand im Oratorium seine Möglichkeit dramatischen Ausdrucks. Er entwickelte das Oratorium zu einer nicht-szenischen Oper mit geistlicher Thematik, deren Stoffe aus den beiden Testamenten oder aus den Heiligen-Legenden stammen. Ihre Handlung wird wie in der opera seria zumeist in Rezitativen vorangetrieben, und in den Solo- und Chorpartien ausgedeutet und kommentiert. Sie wurden zumeist neu gedichtet und stellen vor allem die Affekte der handelnden Personen dar.

Haydn hält sich in der “Schöpfung” an diesen bei Händel standardisierten Rahmen. Wie auch dort ist die Abfolge von Rezitativen und Arien, Soli, Chor und Orchester ist szenisch-dramaturgisch durchkomponiert.

Ihm gelingt in seinem Alterswerk eine plastische Darstellung der Schöpfungsgeschichte. Während die ersten beiden Teile dem biblischen Schöpfungsbericht über die Erschaffung von Himmel und Erde, Wasser und Land, Pflanzen und Gestirnen sowie der Erschaffung von Tier und Mensch gewidmet sind, bildet Miltons Dichtung bei van Schwieten/Haydn ist den Steinbruch für Zitate für den dritten, “paradiesisch-idyllischen” Teil.

Die drei Erzengel berichten in ihrer traditionellen Erzähler-Rolle über Fortgang des Schöpfungswerks, Haydn stellt die verschiedenen Ereignisse im Schöpfungsprozess mit tonmalerischen Stilmitteln dar, z. B. der “Chaos”-Urnebel der Ouvertüre, die “Licht-Darstellung ” in C-Dur, das “Löwengebrüll” des tiefen Kontrafagotts, das “Donnergrollen” im Blech und das “Mücken-Schwirren” in Streicher-Tremoli.

Besonderen Eindruck auf den Hörer macht die ausgefeilte Dynamik in der “Schöpfung”. Das “subito piano” nach einem Forte oder Crescendo bringt bislang besonders in der Oper gekannte Mittel zur besonderen Aufmerksamkeit in die Kirchenmusik ein, gut zu hören beispielsweise im Chor (mit Terzett) “Der Herr ist groß” an der Stelle “ ... und ewig bleibt sein Ruhm”.

Zur Beliebtheit der Schöpfung trägt sicher bei, dass es Haydn gelingt, seine naiv-volkstümliche Frömmigkeit mit großer Ausdruckstiefe und kompositorischer Raffinesse darzustellen. Die Arien und Ensembles der “Schöpfung” sind Kinder ihrer Zeit und zeigen eine enge Formverwandtschaft zur Oper in der Klassik.

Der Einsatz eines großen Chores ist sicher ein Mitbringsel aus England, in späterer Zeit können wir dies in Mendelssohns “Elias” und “Paulus” gleichfalls beobachten. Wie der Zeitgenosse Carl F. Zelter beobachtet zwar “daß in diesem großen Werke keine einzige strikte Fuge vorhanden ist”, er zählt es aber zu Haydns unvergesslichen Verdiensten “daß seine trefflichen Kompositionen, ihr Feuer, ihre Wahrheit und Würze, großenteils dem schönen Gebrauche der Kontrapunkte und seiner Art zu fugieren zu danken haben; und Er, der mit seinem Genie und seiner ewig frischen Gedankenfülle alle seine Zeitgenossen hinter sich läßt, schämt sich nicht, seine Werke mit kontrapunktischen Schönheiten auszuschmücken, wodurch sie allen Veränderungen und Schicksalen der Zeit und Mode zum Trotz unsterblich bleiben werden, so lange die Musik eine Kunst heißt.”